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BLUR - 6 Miniaturen über Unschärfe

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An den Zeitpunkt des scharfen Bildes und der scharfen Information können wir nicht mehr zurückkehren (Norina Quinte)

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Stück

Wir betrachten die verblassende Fotografie und erinnern uns vage an das unangenehme Gefühl, uns in einer mehrdeutigen, schwer einschätzbaren Situation befunden zu haben. Die Beobachtung der Anderen ergab keinen Hinweis auf eine richtige Einschätzung der Ereignisse. Ein Fehlverhalten war nicht zu vermeiden. Die Empörung über die Bilder der Gewalt gruben tiefere Spuren ins Kontinuum der Ereignisse ein als das Erlebnis selbst. Wie hätten wir wissen können, was sich tatsächlich ereignete?

Auf der Suche nach der Wahrheit verlor sie sich in den Bildern und riss die Menschen in einer gewaltigen katastrophalen Bewegung durch die Geschichte – so als wollte sie sie in einer Zukunft ausspucken, deren Bilder ungeheuer vertraut und zugleich verstörend rätselhaft blieben.

Die Erforschung der Kausalitäten und die Hoffnung, die linearen Abläufe zu erkennen, führten uns zurück in das beginnende 20. Jahrhundert als die jugendliche Frische der Wissenschaft plötzlich ihr Gesicht verlor, angesichts der fatalen Verbindung, die die Physik mit der Politik einzugehen hatte. Gleich den Quanten, die mit Hilfe von ungeheuer viel Energie über das Nichts hinweg von einer Bahn zur anderen springen, brachen sich Quantensprünge von Gewalt, Zerstörung und Willkür die Bahn und brachten eine strudelnde Bewegung hervor, die uns schließlich unter den Augen der Anderen in einem überbuchten Flugzeug an die Grenzen der eigenen Handlungsfähigkeit brachte. Hatten wir im Strudel der Ereignisse gelernt mit den Bildern umzugehen oder würden sie sich weiterhin verschließen, je genauer wir sie betrachten?

Presse

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Video

in Arbeit

Fotos

Textauszug

Doch erst mit der Erfindung der Fotografie, dem ‚objektiven’ Bild von Welt, begann sich das Abbild immer mehr vom tatsächlichen Objekt oder Ereignis zu lösen.

Mit der Fotografie kam die Unschärfe erst in die Welt.

Ging es anfangs nicht darum, Bilder absichtlich ungenau darzustellen, begeisterte zusehends die Idee, durch Unschärfe eigene subjektive Wahrnehmungen in das Bild zu übertragen. Damit kann die Unschärfe als ungenaues Moment verstanden werden, als Lücke zwischen zwei stabilen Zuständen, als Abbild des Nicht-Zeigbaren. Das Nicht-Zeigbare eröffnet dem Betrachter einen wesentlich größeren Gedankenspielraum als das Offensichtliche. Es geht also um die Begeisterung an der Abstraktion.
Das ist der spannende Moment in der Unschärfe.

mit:
Marc Fischer
Karin Kettling

Saxophon-Quartett:
Fukio Ensemble

Stimme:
Oliver Schnelker

Künstlerische Leitung:
Andrea Bleikamp
Rosi Ulrich

Komposition/Musik:
Sergej Maingardt

Videokunst:
Jens Standke

Kostüm:
Claus Stump
Kostümanfertigung:
Andrea Uebel

Produktionsleitung:
Hannah Greve

Technik:
Jens Kuklik

PR & Öffentlichkeitsarbeit:
neurohr & andrä

nach einem Essay von:
Norina Quinte

Termine:
30.(PR)11.-3.12.2017, 20 h
orangerie theater im volksgarten
Res: 0221 952 27 08
info@orangerie-theater.de